Du konntest nicht Tschüß sagen

As I Lay Dying – Nothing Left

Vielleicht ist das das Problem, du gingst weg ohne dich zu verabschieden, weil du bald wiederkommen wolltest und ich ging irgendwann, weil ich dich später wiedersehen würde. Und dann warst du in der Klinik. Und ich dachte mir: Schade, aber du bist ja in zwei Tagen wieder da. Aber das warst du nicht und dieses nicht gesagte „auf Wiedersehen“ schwebt nun hier im Raum und wird es für immer tun, weil es kein Ziel mehr gibt. Es erinnert mich immer wieder an diesen Tag und an dich und es quält mich und es deprimiert mich. Vielleicht quält es sogar noch mehr, als die Unterhaltung, mit dem Freund von dir, als ich erfuhr, dass du nie wieder kommen wirst. Ich habe versucht um dieses Wort herum zu leben, bin ihm aus dem Weg gegangen, habe versucht es zu ertränken und in die Vergessenheit zu jagen, doch es ist hartnäckig. Diese Verabschiedung. Ständig laufe ich dagegen, werde von ihm auf den Boden geschubst oder im Bett eingesperrt. Aber die Kapitulation kann ich nicht länger akzeptieren. Ich will doch weiter leben…

Ich möchte bitte jemanden als vermisst melden

Herbert Grönemeyer – Der Weg

Ich starre in die Ferne. In den blauen Tag- und den sternigen Nachthhimmel. Ich sehe in jede Richtung, so weit meine Augen können. Aber ich entdecke dich nirgends. Denn du bist weit weg, viel zu weit weg. Erst abends, wenn ich die Augen schließe und mich in den Träumen verliere, dann bist du wieder ganz nah. So nah, dass es wehtut. Wo steckst du jetzt?

Aus den Fugen

Fink – Yesterday Was Hard On All Of Us

In mir wie warme Milch schlecht verrührt mit Mehl,
wochenlang wie Gregor Samsa eines morgens aus unruhigen Schlaf und
wie in einem Raum ohne Türen, von Bogotá träumend,
für alle wie eine Wolke nach Gewitter
ein harter Schlag von einem Unsichtbaren in die Magengegend –
jedes Mal, wenn wir wieder aufstehen erneut und
stumm schreiend und flehend,
die Zeiger der Uhr rückwärts drehend und
dieser Logik nicht folgendes Leben –
wie Kinder, die sterben und Reiche, die Geld hinterziehen,
Essen, das weggeworfen wird und Mütter, die ihr Baby nicht lieben,
Priester, die lügen, Weihnachten auf einem Mittwoch.
Du fehlst.

und dann weint es unversiegbar von ganz alleine und wird doch nie genug sein

Nick Cave – Hold On To Yourself

Die gewählte Nummer ist nicht vergeben. Nicht mehr vergeben. Zu schnell nicht mehr vergeben. In den letzten Tagen forderte mich immer deine Mailbox auf, dir doch eine Nachricht zu hinterlassen. Und diese Millisekunde, bevor die Bandansage losging, diese Millisekunde Hoffnung, davon lebte ich. Du wirst nie wieder ans Telefon gehen und du wirst nie wieder IRGENDETWAS tun. Ganz langsam kommt diese Wahrheit über mich. Schleichend. Du warst einer der Besten. Einer der ganz Großen. Es wirkt schon zynisch, dass du an so etwas kleinem wie Realität zerbrochen bist, wo du doch so oft versucht hast, aus ihr zu fliehen. Verlust. Für alle.