Kleber

Rammstein – Mein Herz Brennt

Klebrig und zäh ziehen sich die Gedanken durch meinen Kopf, tropfen immer wieder in mein Geradedenkzentrum, verkleben Erinnerungen und Momentaufnahmen. Schnell trocknend, dauerhaft. Wenn er nicht in meinem Kopf wäre, würde ich diesen Klebstoff vermutlich kaufen.

Den Film kenne ich schon auswendig

Bring Me The Horizon – Drown

Wenn man so oft hinfällt, wie ich es tue, dann sollte man als Beobachter annehmen, dass ich Übung darin habe wieder aufzustehen. Aber so ist das nicht. Ich falle und dann liege ich da auf dem metaphorischen und manchmal auch sehr materialisiertem Fußboden, falle in mir selber zusammen, wie ein Teleskop, das man zu schnell in sich zusammen eingeschoben hat und dann verhakt ist, sodass ein wieder aufschieben nicht möglich ist. Ich implodiere und in mir drinnen ist der obligatorische Scherben-haufen, ein Puzzle bei dem ich die Randstücke nicht finde und nicht weiß, wie ich es wieder zusammensetzen kann. Ich falle. Und dann liege ich da. Weinend. This way. That way. Und verstehe die Welt nicht mehr, weil sie kurz zuvor noch in Ordnung war. So wie heute. Ich habe alles richtig gemacht: Ich trieb Sport, ich hielt meine Verab-redungen ein, war nett und freundlich zu meinen Mitmenschen und ich nahm meine Medizin (die, die ich nehmen soll). Eat me. Drink me. Und trotzdem. Wenn man so oft hinfällt wie ich, dann hat man irgendwann einfach keine Lust mehr und bleibt einfach liegen. Ganz großes Kino.

Ich möchte bitte jemanden als vermisst melden

Herbert Grönemeyer – Der Weg

Ich starre in die Ferne. In den blauen Tag- und den sternigen Nachthhimmel. Ich sehe in jede Richtung, so weit meine Augen können. Aber ich entdecke dich nirgends. Denn du bist weit weg, viel zu weit weg. Erst abends, wenn ich die Augen schließe und mich in den Träumen verliere, dann bist du wieder ganz nah. So nah, dass es wehtut. Wo steckst du jetzt?

Aus den Fugen

Fink – Yesterday Was Hard On All Of Us

In mir wie warme Milch schlecht verrührt mit Mehl,
wochenlang wie Gregor Samsa eines morgens aus unruhigen Schlaf und
wie in einem Raum ohne Türen, von Bogotá träumend,
für alle wie eine Wolke nach Gewitter
ein harter Schlag von einem Unsichtbaren in die Magengegend –
jedes Mal, wenn wir wieder aufstehen erneut und
stumm schreiend und flehend,
die Zeiger der Uhr rückwärts drehend und
dieser Logik nicht folgendes Leben –
wie Kinder, die sterben und Reiche, die Geld hinterziehen,
Essen, das weggeworfen wird und Mütter, die ihr Baby nicht lieben,
Priester, die lügen, Weihnachten auf einem Mittwoch.
Du fehlst.

und dann weint es unversiegbar von ganz alleine und wird doch nie genug sein

Nick Cave – Hold On To Yourself

Die gewählte Nummer ist nicht vergeben. Nicht mehr vergeben. Zu schnell nicht mehr vergeben. In den letzten Tagen forderte mich immer deine Mailbox auf, dir doch eine Nachricht zu hinterlassen. Und diese Millisekunde, bevor die Bandansage losging, diese Millisekunde Hoffnung, davon lebte ich. Du wirst nie wieder ans Telefon gehen und du wirst nie wieder IRGENDETWAS tun. Ganz langsam kommt diese Wahrheit über mich. Schleichend. Du warst einer der Besten. Einer der ganz Großen. Es wirkt schon zynisch, dass du an so etwas kleinem wie Realität zerbrochen bist, wo du doch so oft versucht hast, aus ihr zu fliehen. Verlust. Für alle.

Deinetwegen hab‘ ich wenigstens immer was zu erzählen, du Psycho

The Pretty Reckless – Blame Me

Ich hatte mir fest vorgenommen in diesem Semester wieder all meine Kraft zu mobilisieren, ich wollte regelmäßig zu den Veranstaltungen gehen und zu Hause jeden bescheuerten Text, jede langweilige Vorlesungsfolie nacharbeiten, jedes Buch lesen. So far. Der Semesterstart erwirkte bei mir einen Nervenzusammenbruch, weil ich den Stundenplan nicht zusammengestellt bekam – für die meisten wohl lächerlich. Neben einigen Änderungen in Bezeichnungen von Veranstaltungen fand sich auf einmal eine neue Studienordnung und viele offene Fragen. Noch mehr Uni-Dinge. Kaum hatte sich diese Aufregung gelegt kam schon die nächste und wieder die nächste, sodass ich die letzten Tage den größten Teil der Zeit heulend auf dem Boden lag. Der Leser wird vermutlich nicht verstehen, wieso mich das so umhaut. Ich habe die Theorie, dass die meisten Menschen eine Art Filter im Gehirn haben, der die Dinge, über die es sinnlos ist oder es sich nicht lohnt sich aufzuregen, herausfiltert und gar nicht erst ins innere Therapiezentrum hereinlässt. Bei mir scheint dieser Filter nicht zu existieren und meine Psyche scheint eine extrem hohe Affinität zur Implosion zu haben. Eine Woche nach Semesterstart kam dann ein Anruf, auf den ich schon seit Monaten wartete, dass ich am vergangenen Montag kurzfristig auf die dbT-Station (dialektisch-behaviorale Therapie) aufgenommen werden könnte. Die Station war mir von meinem aktuellen Therapeuten empfohlen worden (sie befindet sich in einer anderen Klinik und es kostete mich damals wirklich Überwindung dort vorstellig zu werden). Und wieder Einbruch, in mir selbst. Täter auf der Flucht, konnte aber schnell vom Tatzeugen gefasst und handlungsunfähig gemacht werden. Da es mir derzeit „gut“ gehe und das Semester doch erst begonnen habe und der zu anfangs beschriebene Elan unerwartet ausgebrochen war, teilte ich dem Anrufer mit, dass eine stationäre Aufnahme in den Ferien besser wäre. Ach, du dummes Mädchen! – Heute dann noch einmal ein metaphorischer Schlag, direkt und unerwartet ins morgendliche Gesicht: Der Notwendigkeit psychologischer Betreuung bewusst, rief ich in „meiner“ Klinik an, um einen Termin bei „meinem“ für gut befundenen Therapeuten zu bekommen. Der ist weg. Seit zwei Monaten schon. Ja, der ist weg. Circle of Suffering.

Life is a lemon and I want my Money back

Destroy Rebuild Until God Shows – Mr. Owl Ate My Metal Worm

Die Farben fressen sich in meine Haut wie gierige flüssige Monster, die vorbeiziehen. Schnell. Immer schneller. Ich bleibe. Die Wolken kommen näher. Flauschiges Weiß. Ich würde sie gerne essen, doch meine Zähne sind so kälteempfindlich. Ich muss mich setzen, legen. Meine Füße zerspringen in Farbpunkte. Ich schreie. Alles in Schräglage, alles rutscht nach rechts und ich lasse mich fallen. Fallen. Unaufhörlich. Ich spüre wie mein Inneres nach Oben springt. Fallen. Ich sehe mich um. Immer noch auf dem Sofa.

Kognitionspudding

Dillon – Your Flesh Against Mine

Morgens. Ich wache auf und spontan überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl. Mein Körper und mein Inneres, mein Sein, sind nicht miteinander verbunden. Mein Inneres rutscht nicht aus mir heraus, weil unter meinen Füßen Haut ist, da bin ich ziemlich sicher und trotzdem traue ich mich nicht aufzustehen, aus Angst, dass die Haut unter meinen Füßen nicht stark genug ist, um mich in mir zu halten, dass ich herausrutschte wenn ich mich aus der Horizontalen in die Vertikale begebe.

Die Platte springt

Nirvana – Heart-Shaped Box

Ich nehme noch einen Schluck Kaffee und lasse mich wieder in die Kissen sinken. Mein Kopf ist voll und leer gleichzeitig, und ich hab den Verdacht, dass ich heute verdammt depressiv bin, aber das weiß ich erst, wenn ich richtig wach bin. Dieser Zustand ist elend. Eigentlich ist das jeder Zustand zur Zeit, aber das mag ich nicht zugeben, weil ich ein verwöhntes Industriestaatenkind bin, das sich schämen sollte über so banales Zeug wie Leben zu nölen. Ach, f*** off, wem mache ich was vor? Ich nöle. Das ist ein Nöleblog. Also nöle ich. Und ja, ich bin heute depri. Deal with it.