Asche fliegt mir um den Kopf

April Rain – Come Back Quicker Please

Das wird nicht gut ausgehen, sagt Mensch. Hauptsache es geht aus. Es geht irgendwie irgendwann zu ende. Die Erfahrung, das, was man als Leben bezeichnet, sagt: es geht nie aus. Es geht nie zu Ende. Es macht nur Pausen.

Ich schieb n Film, der keiner ist

Jennifer Rostock – Schlaflos

Ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen als ich da im Auto auf dem Beifahrersitz saß, vor meiner Tür und R mich fragte, ob er nun mitkommen solle, oder nach Hause fahren. Ich wusste es nicht. Es war einer der letzten wirklich warmen Augusttage und wir waren mit den Jungs grillen gewesen und C saß hinten auf der Rückbank und wartete geduldig still, bis R ihn nach Hause brachte. In diesem Moment fing die Geschichte an, es war der Moment in dem ich merkte, dass ich mich von einem Toten vom Leben abhalten lasse und trotzdem konnte ich nichts dagegen tun. Ich weiß nicht mehr, ob R dann noch zu mir kam später. Ich weiß nur noch diesen Moment, als ich da saß in sommerlichen Klamotten mit dieser blumigen Sonnenbrille und weinte. Ich würde gerne sagen, dass ich danach mein Leben glücklich gelebt habe, aber so ist es leider nicht. Ich bin alkoholkrank und vegetiere vor mich hin. Dumm gelaufen.

Bericht zur Lage der Nation

Nightwish – Bye Bye Beautiful

Mein Kopf funktioniert seit Wochen überhaupt nicht mehr. Der Filter, der Wichtiges vom Unwichtigen trennt, der mir rationale Erklärungen ermöglicht und die Dinge relativiert, ist defekt. Anfrage beim Hersteller: Die Serie wird leider nicht mehr hergestellt, Reparatur wird wohl sehr zeitintensiv, eventuell auch mit Kosten verbunden. Ich will nicht mehr zum Psychologen. Ich war Jahrelang immer wieder dort und habe nicht das Gefühl, dass mir das irgendwie geholfen hat – vielleicht ist es klassisch sich das einzureden, aber jeder Schritt, den ich nach vorne ging, den bin ich selber gegangen. Diese ganze Geh-doch-mal-wieder-nach-Klappsgarden-Gerede erzeugt bei mir seit geraumer Zeit nur noch Augenrollen, ich bin austherapiert, da ist nix mehr zu machen. Keine Gespräche mehr, keine Pillen mehr. Ich bin fertig.

Aber wenn es so, wie es ist, nicht ertragbar ist, nicht richtig ist, und ein Gang zur Fachkraft keine Besserung bringt, was tut man dann? Man betrinkt sich, versinkt in Selbstmitleid und hofft, dass es irgendwann wieder weggeht. Immer wieder. Bis es irgendwann knallt, weil die Mitmenschen sich das Elend nicht mehr ansehen können. Und das kann nicht mehr lange dauern, weil dieser defekte Filter in meinem Kopf dafür sorgt, dass ich nahezu täglich einen Nervenzusammenbruch erleide, oder kurz davor stehe: die Wahl des Internetanbieters, die Wahl einer Joghurtsorte, die Planung des bevorstehenden Umzugs, alles fühlt gleich, alles fühlt sich an wie weltunter.

Jahrmarkt

Red Hot Chili Peppers – The Otherside

Ohne diese halblegalen Substanzen kann ich nicht schlafen. Und heute klappt es nicht mal mit denen. Ich bin müde, aber hellwach. In meinem Kopf ist Kirmes, um mich herum schwere Stille, schwere Dunkelheit. Ich liege da und kann nicht mal an die Decke starren, weil letzteres diese versteckt. Die Kirmes schließen kann ich auch nicht, ist noch zu viel los. Zu viele Besucher, die am Karussell anstehen und daher viele potenzielle Eintrittsgelder. Wirtschaftlich unklug. Also was tun? Vielleicht geh ich doch hin. Am Getränkestand ist heute Wein im Angebot.