Kleber

Rammstein – Mein Herz Brennt

Klebrig und zäh ziehen sich die Gedanken durch meinen Kopf, tropfen immer wieder in mein Geradedenkzentrum, verkleben Erinnerungen und Momentaufnahmen. Schnell trocknend, dauerhaft. Wenn er nicht in meinem Kopf wäre, würde ich diesen Klebstoff vermutlich kaufen.

Bericht zur Lage der Nation

Nightwish – Bye Bye Beautiful

Mein Kopf funktioniert seit Wochen überhaupt nicht mehr. Der Filter, der Wichtiges vom Unwichtigen trennt, der mir rationale Erklärungen ermöglicht und die Dinge relativiert, ist defekt. Anfrage beim Hersteller: Die Serie wird leider nicht mehr hergestellt, Reparatur wird wohl sehr zeitintensiv, eventuell auch mit Kosten verbunden. Ich will nicht mehr zum Psychologen. Ich war Jahrelang immer wieder dort und habe nicht das Gefühl, dass mir das irgendwie geholfen hat – vielleicht ist es klassisch sich das einzureden, aber jeder Schritt, den ich nach vorne ging, den bin ich selber gegangen. Diese ganze Geh-doch-mal-wieder-nach-Klappsgarden-Gerede erzeugt bei mir seit geraumer Zeit nur noch Augenrollen, ich bin austherapiert, da ist nix mehr zu machen. Keine Gespräche mehr, keine Pillen mehr. Ich bin fertig.

Aber wenn es so, wie es ist, nicht ertragbar ist, nicht richtig ist, und ein Gang zur Fachkraft keine Besserung bringt, was tut man dann? Man betrinkt sich, versinkt in Selbstmitleid und hofft, dass es irgendwann wieder weggeht. Immer wieder. Bis es irgendwann knallt, weil die Mitmenschen sich das Elend nicht mehr ansehen können. Und das kann nicht mehr lange dauern, weil dieser defekte Filter in meinem Kopf dafür sorgt, dass ich nahezu täglich einen Nervenzusammenbruch erleide, oder kurz davor stehe: die Wahl des Internetanbieters, die Wahl einer Joghurtsorte, die Planung des bevorstehenden Umzugs, alles fühlt gleich, alles fühlt sich an wie weltunter.

Aus dem Off – eine Mordfantasie

Placebo – Special Needs

Irgendwann war es als erwachte ich aus einem richtig bösem Alptraum und alles was ich sah war weiß. Keine Ahnung, was ich erwartet hatte, ob ich überhaupt irgendwas gedacht habe vorher, aber das war irgendwie ernüchternd. Ich weiß nicht wie lange das her ist. Ich starrte in einen weißen Raum, aber nicht die Art Raum wie sie in Häusern sind, ich meine, da waren keine Wände oder so, nicht wirklich. Und es blieb auch nicht dabei. Ich wurde von irgendetwas Unsichtbarem geschoben, aber nicht von einem Ort zum nächsten, sondern irgendwie zeitlich, nicht so rechts oder links oder so. Das scheint es hier gar nicht zu geben. Oh man. Hier wirkt alles so leicht und selbst-
verständlich, aber wenn man das jemandem erklären will, ist es echt schwierig, stelle ich gerade fest. Also dieses weiß ist auch manchmal grün und dann ist da ein Wald oder es taucht eine Straße auf, ein Haus oder ich bin plötzlich in einem Zimmer drin und manchmal höre ich auch Stimmen oder Vögel, aber so, als wären sie unter Wasser. Also, ich meine nicht, dass sich das hier nach ertrinkenden Vögeln anhört, ihr wisst schon! Das ist der Anfang glaube ich. Obgleich gestern hier auch heute sein könnte oder Morgen, mit Logik haben die es hier irgendwie nicht so. Ich behaupte einfach, dass es Tag eins war, falls heute doch erst Morgen ist, kann ich das ja gestern noch nicht wissen. Ich schwebte oder lag in diesem leeren weißen Irgendwas stunden- oder sekundenlang und hörte nichts, bis plötzlich dieses Rauschen irre laut über mich hinweg raste wie ein Sturm und dann erneute Stille hinterließ. Das wiederholte sich um die fünfmal. Während ich noch überlegte, was es sein könnte, verstärkte sich das Geräusch, wurde deutlicher und dann fiel es mir ein: es war das Geräusch von LKW wenn sie über die Autobahn fahren. Ich stand auf einer Brücke, die über die Straße führte und spuckte hinunter auf die fahrenden Autos und die LKW rasten mit verboten schneller Geschwindigkeit unter mir hindurch und machten dieses Geräusch und ich hatte Angst, die Brücke würde gleich einstürzen. Dann wehte der Wind mir meine Mütze herunter und ließ sie, nach einem kurzen Tanz in der Luft, auf die Straße fallen, wo sie sofort von den Autos überfahren wurde. Ich starrte hinunter, wo der kleine rosane Fleck immer dunkler wurde und der Wind schwieg, als hätte er heute nur diese eine Aufgabe zu erledigen gehabt. Dann kletterte ich auf das Geländer und sprang. Ein roter Fleck, neben einem rosa-grauen. Ich glaube, das war ziemlich eklig.

Jahrmarkt

Red Hot Chili Peppers – The Otherside

Ohne diese halblegalen Substanzen kann ich nicht schlafen. Und heute klappt es nicht mal mit denen. Ich bin müde, aber hellwach. In meinem Kopf ist Kirmes, um mich herum schwere Stille, schwere Dunkelheit. Ich liege da und kann nicht mal an die Decke starren, weil letzteres diese versteckt. Die Kirmes schließen kann ich auch nicht, ist noch zu viel los. Zu viele Besucher, die am Karussell anstehen und daher viele potenzielle Eintrittsgelder. Wirtschaftlich unklug. Also was tun? Vielleicht geh ich doch hin. Am Getränkestand ist heute Wein im Angebot.

Den Film kenne ich schon auswendig

Bring Me The Horizon – Drown

Wenn man so oft hinfällt, wie ich es tue, dann sollte man als Beobachter annehmen, dass ich Übung darin habe wieder aufzustehen. Aber so ist das nicht. Ich falle und dann liege ich da auf dem metaphorischen und manchmal auch sehr materialisiertem Fußboden, falle in mir selber zusammen, wie ein Teleskop, das man zu schnell in sich zusammen eingeschoben hat und dann verhakt ist, sodass ein wieder aufschieben nicht möglich ist. Ich implodiere und in mir drinnen ist der obligatorische Scherben-haufen, ein Puzzle bei dem ich die Randstücke nicht finde und nicht weiß, wie ich es wieder zusammensetzen kann. Ich falle. Und dann liege ich da. Weinend. This way. That way. Und verstehe die Welt nicht mehr, weil sie kurz zuvor noch in Ordnung war. So wie heute. Ich habe alles richtig gemacht: Ich trieb Sport, ich hielt meine Verab-redungen ein, war nett und freundlich zu meinen Mitmenschen und ich nahm meine Medizin (die, die ich nehmen soll). Eat me. Drink me. Und trotzdem. Wenn man so oft hinfällt wie ich, dann hat man irgendwann einfach keine Lust mehr und bleibt einfach liegen. Ganz großes Kino.

Wo ist der Anfang?

Within Temptation – And We Run

Fallen. Fallen und Zeitsprünge. Immer wieder. Erinnerungsfetzen. Geschriene Wörter: jeden Abend trinken. Wütende Wörter, die auf meinen Kopf einhämmern, gewaltsam eindringen wollen. Anders scheinen sie dort nicht haften zu bleiben. Tränen. Keine Besserung. Mehr von allem. Immer wieder diese Zeitsprünge. Dann bist du tot. Mehr von den weißen. Zeitsprung. Das war doch vorher. Ich schreie. Renne. Zeitsprung. Es ist Ruhe. Ruhe vor dem Sturm. Zeit zerspringt. Ich bin in der Klinik. Wann waren Sie das letzte mal da? Nein, das ist falsch. Es war im November. Ich brauch Zeit. Rase. Wache auf. Mein Kopf ist voll. Etwas versucht sich Zutritt zu meiner Wohnung zu verschaffen. Decke über den Kopf. Es ist so laut. Tablette.

Du konntest nicht Tschüß sagen

As I Lay Dying – Nothing Left

Vielleicht ist das das Problem, du gingst weg ohne dich zu verabschieden, weil du bald wiederkommen wolltest und ich ging irgendwann, weil ich dich später wiedersehen würde. Und dann warst du in der Klinik. Und ich dachte mir: Schade, aber du bist ja in zwei Tagen wieder da. Aber das warst du nicht und dieses nicht gesagte „auf Wiedersehen“ schwebt nun hier im Raum und wird es für immer tun, weil es kein Ziel mehr gibt. Es erinnert mich immer wieder an diesen Tag und an dich und es quält mich und es deprimiert mich. Vielleicht quält es sogar noch mehr, als die Unterhaltung, mit dem Freund von dir, als ich erfuhr, dass du nie wieder kommen wirst. Ich habe versucht um dieses Wort herum zu leben, bin ihm aus dem Weg gegangen, habe versucht es zu ertränken und in die Vergessenheit zu jagen, doch es ist hartnäckig. Diese Verabschiedung. Ständig laufe ich dagegen, werde von ihm auf den Boden geschubst oder im Bett eingesperrt. Aber die Kapitulation kann ich nicht länger akzeptieren. Ich will doch weiter leben…

Ich möchte bitte jemanden als vermisst melden

Herbert Grönemeyer – Der Weg

Ich starre in die Ferne. In den blauen Tag- und den sternigen Nachthhimmel. Ich sehe in jede Richtung, so weit meine Augen können. Aber ich entdecke dich nirgends. Denn du bist weit weg, viel zu weit weg. Erst abends, wenn ich die Augen schließe und mich in den Träumen verliere, dann bist du wieder ganz nah. So nah, dass es wehtut. Wo steckst du jetzt?