Deinetwegen hab‘ ich wenigstens immer was zu erzählen, du Psycho

The Pretty Reckless – Blame Me

Ich hatte mir fest vorgenommen in diesem Semester wieder all meine Kraft zu mobilisieren, ich wollte regelmäßig zu den Veranstaltungen gehen und zu Hause jeden bescheuerten Text, jede langweilige Vorlesungsfolie nacharbeiten, jedes Buch lesen. So far. Der Semesterstart erwirkte bei mir einen Nervenzusammenbruch, weil ich den Stundenplan nicht zusammengestellt bekam – für die meisten wohl lächerlich. Neben einigen Änderungen in Bezeichnungen von Veranstaltungen fand sich auf einmal eine neue Studienordnung und viele offene Fragen. Noch mehr Uni-Dinge. Kaum hatte sich diese Aufregung gelegt kam schon die nächste und wieder die nächste, sodass ich die letzten Tage den größten Teil der Zeit heulend auf dem Boden lag. Der Leser wird vermutlich nicht verstehen, wieso mich das so umhaut. Ich habe die Theorie, dass die meisten Menschen eine Art Filter im Gehirn haben, der die Dinge, über die es sinnlos ist oder es sich nicht lohnt sich aufzuregen, herausfiltert und gar nicht erst ins innere Therapiezentrum hereinlässt. Bei mir scheint dieser Filter nicht zu existieren und meine Psyche scheint eine extrem hohe Affinität zur Implosion zu haben. Eine Woche nach Semesterstart kam dann ein Anruf, auf den ich schon seit Monaten wartete, dass ich am vergangenen Montag kurzfristig auf die dbT-Station (dialektisch-behaviorale Therapie) aufgenommen werden könnte. Die Station war mir von meinem aktuellen Therapeuten empfohlen worden (sie befindet sich in einer anderen Klinik und es kostete mich damals wirklich Überwindung dort vorstellig zu werden). Und wieder Einbruch, in mir selbst. Täter auf der Flucht, konnte aber schnell vom Tatzeugen gefasst und handlungsunfähig gemacht werden. Da es mir derzeit „gut“ gehe und das Semester doch erst begonnen habe und der zu anfangs beschriebene Elan unerwartet ausgebrochen war, teilte ich dem Anrufer mit, dass eine stationäre Aufnahme in den Ferien besser wäre. Ach, du dummes Mädchen! – Heute dann noch einmal ein metaphorischer Schlag, direkt und unerwartet ins morgendliche Gesicht: Der Notwendigkeit psychologischer Betreuung bewusst, rief ich in „meiner“ Klinik an, um einen Termin bei „meinem“ für gut befundenen Therapeuten zu bekommen. Der ist weg. Seit zwei Monaten schon. Ja, der ist weg. Circle of Suffering.

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