Deinetwegen hab‘ ich wenigstens immer was zu erzählen, du Psycho

The Pretty Reckless – Blame Me

Ich hatte mir fest vorgenommen in diesem Semester wieder all meine Kraft zu mobilisieren, ich wollte regelmäßig zu den Veranstaltungen gehen und zu Hause jeden bescheuerten Text, jede langweilige Vorlesungsfolie nacharbeiten, jedes Buch lesen. So far. Der Semesterstart erwirkte bei mir einen Nervenzusammenbruch, weil ich den Stundenplan nicht zusammengestellt bekam – für die meisten wohl lächerlich. Neben einigen Änderungen in Bezeichnungen von Veranstaltungen fand sich auf einmal eine neue Studienordnung und viele offene Fragen. Noch mehr Uni-Dinge. Kaum hatte sich diese Aufregung gelegt kam schon die nächste und wieder die nächste, sodass ich die letzten Tage den größten Teil der Zeit heulend auf dem Boden lag. Der Leser wird vermutlich nicht verstehen, wieso mich das so umhaut. Ich habe die Theorie, dass die meisten Menschen eine Art Filter im Gehirn haben, der die Dinge, über die es sinnlos ist oder es sich nicht lohnt sich aufzuregen, herausfiltert und gar nicht erst ins innere Therapiezentrum hereinlässt. Bei mir scheint dieser Filter nicht zu existieren und meine Psyche scheint eine extrem hohe Affinität zur Implosion zu haben. Eine Woche nach Semesterstart kam dann ein Anruf, auf den ich schon seit Monaten wartete, dass ich am vergangenen Montag kurzfristig auf die dbT-Station (dialektisch-behaviorale Therapie) aufgenommen werden könnte. Die Station war mir von meinem aktuellen Therapeuten empfohlen worden (sie befindet sich in einer anderen Klinik und es kostete mich damals wirklich Überwindung dort vorstellig zu werden). Und wieder Einbruch, in mir selbst. Täter auf der Flucht, konnte aber schnell vom Tatzeugen gefasst und handlungsunfähig gemacht werden. Da es mir derzeit „gut“ gehe und das Semester doch erst begonnen habe und der zu anfangs beschriebene Elan unerwartet ausgebrochen war, teilte ich dem Anrufer mit, dass eine stationäre Aufnahme in den Ferien besser wäre. Ach, du dummes Mädchen! – Heute dann noch einmal ein metaphorischer Schlag, direkt und unerwartet ins morgendliche Gesicht: Der Notwendigkeit psychologischer Betreuung bewusst, rief ich in „meiner“ Klinik an, um einen Termin bei „meinem“ für gut befundenen Therapeuten zu bekommen. Der ist weg. Seit zwei Monaten schon. Ja, der ist weg. Circle of Suffering.

Prokrastination: Sammelbegriff für folgende Aktivitäten: Ansehen von Katzenvideos auf Youtube; Fotografie von Essen

Courtney Love – Uncool

Es lassen sich unzählige Metaphern für das finden, was ich gerade durchlebe: Prokrastination, die zu einer schweren, wirren Wolke wird und sich immer enger auf mich herabsinken lässt, bis sie mich schließlich zerquetscht. Das Leben nervt, oder besser gesagt: Ich nerve.

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In meiner melodramatischen Art schaffe ich es zwar jedes mal wieder, meine Situation treffend poetisch zu umreißen – eine Lösung finde ich aber nie. Obwohl, eigentlich schon, ich führe nur nie die notwendigen Maßnahmen durch, die zu dieser führen könnten. Und warum nicht? Wenn ich ganz ehrlich bin – und das bin ich zu mir selber eigentlich nie – weil ich es nicht will. Ich will nicht, dass es besser oder anders wird, ich will keinen Befreiungsschlag, welcher dazu führen würde, dass ich mich GUT fühle. Die Wahrheit ist, ich genieße es zu leiden. Mir ist nicht zu helfen. Dies gab ich mir gegenüber auch schon diverse Male zu, aber dann kam immer ein neuer Punkt, an dem ich trotzdem nicht weiterkam. Also was nun? Was fange ich mit dieser traurigen Erkenntnis an? Prokrastination! – Wir klären das Morgen.