Die Wellen sind flacher

Placebo – Without You I’m Nothing

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich es vermissen würde. Dass ich es vermissen würde, morgens unter Tränen mein Müsli zu essen, heulend durch die Straßen zu laufen und dann unter dem Gewicht der Tränen zusammen zu fallen, als sei ich ich innen hohl und die Körperhülle könnte ihr eigenen Gewicht nicht mehr tragen, zusammengerollt, wie ein Embryo. Mir fehlt der undefinierbare Schmerz, das quälende fließen von Kälte in mir, das Weinen. Seit Ende Oktober nehme ich nun wieder Tabletten, ich vertrage sie gut, meine Stimmung ist relativ stabil. Kein Fallen mehr in Vulkane, kein Herausklettern mehr. Ich bin nahezu normal. Bis vorgestern, ein Trigger, wie er heftiger kaum sein kann, und mir geht es schlecht, angespannt, kribblig, und der Folgetag beginnt mit einem Loch, nach dem ich mich heute sehne und mich dabei erwische wie ich versuche dorthin zurück zu kommen. Tränen kommt wieder. Was stimmt denn nicht mit mir :/.

Zurück in der Matrix

Neil Young – Heart Of Gold

Rilke schrieb einst „ihm ist als ob es tausend Stäbe gäbe, und hinter tausend Stäben keine Welt“. Ich hab schon ziemlich früh verstanden, was das bedeutet. Glaube ich. In Interpretationen war ich noch nie sonderbegabt. Aus dem Nichts kam es wieder. Während ich mich freute und wunderte, dass die Tabletten tatsächlich für eine unbekannte, unerwartete Stabilität sorgen, schlich es sich zurück in mein Leben und bedeckte alles mit einem schweren Schleier von Traurigkeit, wie sie eben nur Depressive kennen. Den Höhepunkt erreichte das Ganze am Montag, als ich durch die Innenstadt bummelte, paralysiert ins Leere starrend, ohne Ziel. Vom Fußboden eine Stimme, die ich mit einem leisen „Sorry, ich habe selber nichts“ abtun möchte. Doch dann, völlig absurd: „Nein, ich möchte, dass du für mich lächelst, BITTE!“ Ich sehe die Frau kurz an, die da unten auf ihrer Decke sitzt und offensichtlich mehr Pech als Glück im Leben hatte. Ich gehe weiter und die Tränen kommen.