Werwolf

(kurzkurzgeschichte)

We Are The Fallen – I Am The Only One

Wintermond, dachte er als er die düstere Gasse entlang ging. Seine Hände hatte er in dein tiefen Taschen seines Mantels versteckt und ein Schal verdeckte noch die Hälfte seines blassen Gesichtes. Eiseswärme. Glaubst du an das Leben?, die Frage kam aus der Ewigkeit direkt in seine Hirnströme, ein fortgeführter Gedanke, welcher nicht seiner war. Nein. Du? Schweigen umgab ihn, nicht einmal seine Schuhe gaben einen Laut von sich. Dann ein Scheppern. Er zuckte zusammen, die Augen suchten die Umgebung ab. Ein paar Meter vor ihm entfernt war ein Müllcontainer umgefallen. Dreh um!, kam die Stimme zurück. Ich kann nicht. Wieso nicht? Das weisst du. Du weisst es! Willst du nicht den Mond erreichen? Ich bin sonnensüchtig. Nein! Er ging auf den Container zu. Papier und Pappe breiteten einen Teppich für ihn aus. Dreh um. Ein kleiner Hund schoss an ihm vorbei. Für den Bruchteil einer Zeiteinheit versagte sein Herz. Ich muss nach Hause, bevor es zu spät ist. Du weisst das. Als er aus der Gasse heraustrat und dem Mondlicht, das nun von den Wolken freigegeben wurde, schutzlos ausgeliefert war überkam ihn eine zerreißende Kraft. Sein Körper gab dem Schmerz nach, der an Armen und Beinen zerrte, seinen Rücken verschob. Ein Schrei drang aus seinem Körper. Seine Fingernägel wuchsen schmerzend zu Krallen, während sein Körper von Fell überzogen wurde und seine Zähne zogen an seinem Kiefer, als ob sie jemand entfernen wollte, während sie sich zu Reißzähnen umbildeten. Die Augen starrten rotglühend zum Mond hinauf, bis sich der zitternde Körper beruhigte und in der Nacht verschwand. Wintermond, mondsüchtig.

Welle

We Are The Fallen – St. John

Eine Welle aus Bildern schwappte über sie in einer nicht messbaren Geschwindigkeit hinweg, sodass ihr Hirn nur einen Bruchteil der visuellen Fetzen zuordnen konnte. Gerne wäre sie noch einmal in den Pool aus Erinnerungen eingetaucht, hätte nach weiteren Teilen gesiebt. Das Brennen in ihrer Lunge fing wieder an, kroch hinunter in ihren Unterleib und bohrte sich durch ihr Inneres. Mit diesem unsichtbaren Parasiten lebte sie schon seit einigen Jahren. Doch den Grund konnten ihre Gehirnwindungen einfach nicht erfassen. Die Welle kam in unregelmäßigen Abständen in unterschied- lichen Situationen, doch hinterließen immer eine demotivierende Blindheit. Lärm. Licht blendete in ihren Augen, stach ein kleines Loch in die Linse und gaben einen Tunnel frei, an dessen Ende sie am heutigen Tag die Wahrheit finden sollte. Sie würde diesen Tag von nun an hassen.

Abgetaucht, aufgetaucht

Farmer Boys – Like A Dart In Your Face

Konzentriert fahren meine Finger den Rand des Bechers entlang. Immer wieder. Die Fingerspitzen berühren die Seite des Bechers, welcher eigentlich der Deckel meiner Thermoskanne ist. Heiß. Sehr heiß. Ich unterdrückte den natürlichen Reflex, die Hand wegzuziehen, und spüre stattdessen, wie der beruhigende Schmerz sich durch meine Hand, meinen Arm, meinen Körper zieht. Gerne würde ich mich selbst von außen anschreien: Bleib hier! Lass dich nicht fortziehen… Aber um mich herum sind Menschen, deren Blicke ich nicht ertrage; deren Blicke ich nie lange standhalten kann, weil ich mir beim zu langen Erdulden wie eine Heuchlerin, eine Lügnerin vorkomme. Wie eine Hure, die vortäuscht etwas zu sein. Jemand zu sein. In mir kreischender Lärm. Außen dumpfe Stille. ES ist wieder da :/.