Alleingelassen

Musik: Seether – Broken

Es gibt nur zwei Varianten, in denen mein Samstagmorgen ablaufen kann. Und es gibt auch nur zwei Varianten für den Rest der Woche. Letzte Woche kam dann Möglichkeit drei hinzu.

Ich krieche aus dem Bett, frühstücke dekadent und springe unter die Dusche. Variante Samstagmorgen eins: Ich erwische den schnellstmöglichen Bus und bin ein paar Minuten später bei ihm. Variante Samstagmorgen zwei: Ich habe all diese Dinge nicht alleine getan und liege anschließend mit ihm wieder auf dem Bett, wo wir uns das Pro7 Vormittagsprogramm reinziehen.

Ich falle total übermüdet aus dem Bett, mache mir eine Tasse Tee, versuche die Augenringe künstlerisch ins Gesamtbild einzufügen und gehe zur Schule. Variante eins: Nach der Schule bin ich bei ihm. Variante zwei: Gibt es gar nicht.

Ungenannte Person ist weg. Zwei lange Wochen. Unfreiwillig freiwillig von der Uni räumlich getrennt. Variante drei ist langweilig, traurig, irgendwie sinnlos. Geduscht sitzte ich da, Fernsehen ist doof. Niemand nimmt mich in den Arm, weil ich schon in der ersten Mathestunde hätte weinen können. Niemand gibt mir meinen Gutenachtkuss. Niemand freut sich, wenn ich wieder da bin. Der Grund meiner Existenz ist weg.

Ich will, dass du wieder kommst!

Grüße

Musik: ASP – Stille Der Nacht

An dieser Stelle möchte ich meine Verwandten in Hintermwald und alle, die mich nicht kennen ganz lieb grüßen! Ein besonderer Gruß geht an den Weltmensch Sasha, der nicht Sasha heißt. War auch alles voll allein meine Idee unso.

Bis ich 30 bin, bleib‘ ich definitiv Kind

Musik: Crossfade – Never Coming Home

Ich bin klein. Ganz klein. Winzig. Am liebsten würde ich unters Bett kriechen und das Elend an mir vorbeiziehen lassen. Leider findet es mich aber überall.

Es ist einer dieser Tage. Schon in den letzten Tagen hat es sich herangeschlichen, um heute zuzuschlagen. Der ganze Tag war doof. Die Welt war gemein. In meinem Kopf türmen sich unaufhörlich graue Wolken und meine Gedanken kreisen um alles Negative in meinem Leben. Es ist einer dieser Tage, an denen ich mich nach einem kuscheligen Schlafanzug und einer Tasse Milch mit Honig vor einem Disneyklassiker sehne. Ich will wieder Kind sein, denn genauso fühle ich mich gerade.

Dass ich im November unausweichlich 22 werde rückt in weite Ferne. Ich will nicht. Ich will nicht erwachsen sein. All die Verantwortung, die Verpflichtungen all das soll wieder jemand für mich regeln. Ich will in Wäldern rumrennen und Hütten bauen, abends Sandmann sehen und vom Fahrrad fallen, um anschließend von meinen Erzeugern getröstet zu werden.

Das Leben ist so unfair.

In 20 Metern links rechts abbiegen

Musik: London After Midnight – Republic

„Links gleich, Jul!“
(also ich links)
„Das andere!“
„Ja, is doch links!“
„Nein, das is rechts!“

Ihr alle kennt die Situation. Entweder wart ihr der männliche oder weibliche Beifahrer oder die Fahrerin. Mehr muss man dazu ja wohl nicht sagen.

Danke, für die Schultüte!

Musik: Muse – Megalomania

Vor einigen Tagen beschäftigte mich noch die Frage, ob ich dumm sei, heute war mein erster Schultag am Gymnasium.

Abendgymnasium, das ich vormittags besuche. Erster Eindruck ist positiv, auch wenn wir ein peinlich-lustiges Kennenlernspiel spielen mussten – jetzt weiß ich immerhin, das René Fledermäuse in der Wohnung hat und Julian keinen Glühwein mag.

Da es sonst heute nur den Stundenplan gab, mit den Worten, dass erst ab Montag richtig Unterricht ist, kann ich noch nicht viel sagen. Außer, dass ich mich auf Morgen freue. Da erfahr ich dann sicher warum mein Klassenlehrer so eine lustige Frisur (es sind nur noch die Haare an den Seiten über, die irgendwie zersaust an einen Clown erinnern) hat und wie und wann ich an meine Bücher herankomme, auf die ich mich erschreckenderweise auch freue – ich steh auf Schulbücher!

Das Leben ist ein Lehrer

Musik: Amy MacDonald – Footballer’s Wife

Meine Erzeugerin schenkte mir letztes Jahr zum Geburstag Chucks. Die Schuhe stellten sich als extremst bequem heraus und ich rückte ein Stückchen von meiner Meinung ab, dass hohe Schuhe genauso bequem sind und sich mein weibliches Umfeld einfach nur anstellt.

Mein Fehler war, mit diesen Schuhen durch die – ausnahmsweise mal – vereiste Göttinger Innenstadt zu laufen. Ursprünglich als Basketballschuhe gedacht, sind die Teile natürlich nicht darauf ausgelegt, bei Eis zu schützen. Die Folge war, dass ich binnen kürzester Zeit nasse, kalte, kalte(!) Füße hatte und ungenannte Person, auch tollster Mensch der Welt genannt, sich in seinem Ich-hab’s-ja-gewusst sonnen konnte.

Vor ein paar Tagen kaufte ich mir ein weiteres Paar Chucks. Es ist einfach ab und zu herrlich, die Füße gerade auf den Boden aufsetzen zu können und ihnen eine Pause zu gönnen. Bei Vereisung werde ich aber weiterhin auf Stiefel schwören – mit Absatz!

Musikalische Tiefschläge

Musik: Amy MacDonald – A Wish For Something

Die Weltbevölkerung erlebte in den letzten Jahren eine Musiküberproduktion, eine Überschwemmung.

Jeder konnte auf einmal singen, Moderatoren, Models usw. veröffentlichten ihre Werke, Hasen sangen, Küken sangen. Fließbandproduktionen in Fernsehshows ala Superstar, Staffel zuende, neue Staffel. Das meiste dieser Oberflächenmusik berieselte uns einige Wochen im Auto, wenn wir das Radio anstellten und geriet dann in die Vergessenheit – auch gut so!

Die deutsche Bevölkerung zeigte der ganzen Welt, dass sie dumm und medienbeeinflussbar sind, wir hören alles, wenn Dieter Bohlen es absegnet, wir hören sogar doofe Quietschestimmensongs, wenn der Sänger pelzig ist und riesengroße Augen hat.

Leider gehen bei diesen Unmengen von Musik soviele gute Sachen unter. Das wirklich Traurige ist, dass die Leidtragenden in erster Linie die Künstler sind, die sich hinsetzten, selbst Texte schreiben, ihre, seit der Jugend bestehende, Band zusammenrufen und versuchen Geld zu machen, – die Intention ist überall die gleiche, natürlich – money rules! – überhaupt keine Chance haben, weil hinter ihnen keine TV-Sender stehen, die die Massen beeinflussen. Songs der neuen Popstars, Superstars etc. werden ständig unauffällig in irgendwelchen Werbungen platziert, der Zuschauer gewöhnt sich daran und kauft letzendlich die CD.

Ich gönne jedem Sänger, jeder Band Erfolg, egal ob Plastikmusik oder – in meinen Augen – echte, tiefgreifendere Klänge, nur finde ich es schade, dass durch diese Tatsache soviele Künstler aufgeben und nicht mehr weitermachen, weil sie gegen diese mediengesteuerte Musik nicht ankommen und zu der Entscheidung kommen, nur noch auf Dorffesten auftreten zu wollen. Der musikgierigen Gesellschaft entgehen durch dieses Prinzip einige wundervolle Alben. Ein ewiges Thema, über das ewig diskutiert werden kann.

Gestern Abend hatte ich eine Unterhaltung darüber, was Weltsongs sind. Bob Dylan wurde vorgeschlagen. Like A Rolling Stone, angeblich Song des Jahrhunderts. Ich: Haben das die gleichen Menschen gewählt, die auch die Superstars entscheiden? Er: Mach mir nicht alles mies! Die Wahl des Songs durch die beschränkte Jury zeigt, dass die Menschheit noch nicht komplett verloren ist, und sehr wohl erkennt, wenn etwas Großartiges enstanden ist.

Ich weiß auch ohne Uhr, wie spät es ist

Musik: Breaking Benjamin – Until The End

Wie abhängig man von etwas ist, merkt man meistens erst, wenn es dann weg ist. In meinem Fall ist das Objekt der Abhängigkeit mein Fernseher.

Wie oft ich geglaubt habe den TV angestellt zu haben und wie oft ich es tatsächlich getan habe, sind zwei völlig verschiedene Werte. Wirklich klar wurde mir das gestern Abend. Immer wieder habe ich behauptet, kaum TV zu gucken, ihn nicht zu brauchen und immer wieder habe ich ihn trotzdem angestellt, um mir bequem und schön verpackt die Langeweile zu verteiben, Zeit totzuschlagen, mein Leben rumzukriegen. Ich sehe mir samstags gerne Malcom und Scrubs an, abends manchmal gerne die Simpsons und dann war es das. Ja, sicher!

Der Fernseher ging nicht an. Der kleine, rote Punkt leuchtete, aber er ging einfach nicht an. Alleingelassen mit einem Rest Kreativität und dem Teil der Fantasie, den mir das Gerät noch nicht zerstört hat, saß ich da und wusste tatsächlich nichts mit mir anzufangen. Ich bin ein Viel-Chatter, der Schlepptop ist mein bester Freund, aber nebenbei läuft oft doch meistens irgendwie der Fernseher. Stimmen im Hintergrund, das brauche ich. – Ich brauche nicht auf die Uhr zu sehen, um zu wissen wie spät es ist. Das Fernsehoprogramm sagt es mir!

Diese Erkenntnis schmerzt leicht. Ich dachte, ich sei etwas Besonderes, unabhängig, kreativ. Aber tatsächlich bin ich auch nur einer von den Abhängigen, denen es egal ist was läuft, hauptsache, man muss ich nicht selbst beschäftigen.

Die Screenager, die Screenpeople, die Fernsehsüchtigen haben auch nur eine einzige Angst – nicht vor schlechtem TV-Programm, nein, das können sie gar nicht mehr unterscheiden, sondern davor, dass die Fernbedienung herunterfällt. Ein Geräusch, das Panik auslöst. Die einzige Emotion, die am Tag durch ihren Körper rauscht, denn alle anderen Empfindungen wurden zusammen mit der Fantasie nach und nach leise zerstört. Und gerade deshalb fühle ich mich jetzt wahrscheinlich so verloren.

Überforderung

Musik: Rammstein – Wo bist du

Irgendwie habe ich das Gefühl, als wäre mein Leben zu groß für mich. Es ist als ob ich ein PC-Spiel vor mir habe, dass ich auf „extra schwer“ spielen muss, obwohl ich bei „leicht“ schon immer versagt habe. Mein Leben ist zu schwer für mich. Oder ich bin zu unfähig.

Mein Leben ist eine einzige Überforderung.