Eiskalt

Musiktipp: My Chemical Romance – Helena

Schon mal über die eigene Beerdigung nachgedacht? Ein Leben nach dem Tod? Menschen, die zurückkehren? Oder uns von einer Wolke aus beobachten und auf uns aufpassen?

Ich habe nie verstanden, wieso so viele Leute Angst davor haben. Scheint auch keine Alterssache zu sein, denn sowohl Gleichaltrige als auch die älteren Generationen haben Angst. Wovor eigentlich?

Da ist nichts. Gar nichts. Sämtliche lebenserhaltenden Maßnahmen sind aus. Du atmest nicht mehr, kein Sauerstoff in deiner Lunge. Deine Nerven, Adern, Gehirnwindungen, Muskeln haben ihren Dienst beendet. Du bist ein Stück Metall. Man kann dich umherschieben, treten, fallenlassen. Du bekommst von all dem nichts mit. Du bekommst nicht mit, wie Familie und Freunde sich die Augen ausweinen, Blumen auf dein Grab stellen und mit dir sprechen. Du bist taub. Du bist blind, stumm. Leblos. Tot. Die Realität ist abartig schonungslos für Atheisten.

Irgendwie traurig.

Brandbeschleuniger

Musiktipp: Evanescene – Good Enough

Eigentlich unverschämt, dass es Menschen gibt, die mit der Not anderer Geld verdienen. Gerade meine ich speziell irgendwelche Selbsthilfebücher für Menschen mit Psychoschäden. Es gibt aber mit Sicherheit viel mehr Beispiele.

Das Traurige ist, dass diese Bücher in mehr als 90 % der Fälle (eigene Schätzung) nicht mal wissen, wovon sie da reden. Sie haben es studiert, ja. Aber sie wissen einen Dreck. Und so kommt es, dass jemand, der diese Bücher und Arbeitshefte liest, wirklich entsetzt ist und sich fragt, ob Mike Smith nicht lieber irgendwo anders besser aufgehoben wäre, als als Autor eines Arbeitsbuches für Menschen, die sich selbst verletzen.

Kann man erwarten, dass jemand der seit Jahren mit diesem Krankkheitsbild, von dem er behauptet, dass es keines ist, kämpft, sich noch an das erste Mal erinnert, wo er sich selbstverletzt hat? Oder das zweite? Woher die Annahme, dass Betroffene sich immer nur an einer Körperstelle wehtun? Und glaubt er ernsthaft 20 Zeilen würden reichen um die Lebensgeschichte aufzuschreiben? Anscheinend ja. Die Übersetzung aus dem Englischen ist teilweise so schlecht, dass man die Fragen gar nicht richtig versteht. Viel Gerede gibt es, lustigerweise scheint der Autor nicht mal zu merken, dass er sich im Kreis bewegt und sich öfter wiederholt. Für welches Alter ist das gedacht? Sehr ernüchterndes Heft.

Schade, dass wir keinen Kamin haben.

Süchtig

Musiktipp: 4Lyn – Syndrome

Als ich vorhin (ja, ich bin wirklich gerade erst aufgestanden) aufstand, war meine erste automatisierte Aktion der Griff nach einer Kaffeetasse.

Die Suche nach Kaffee gehört zu meinem Alltag. Entweder schaffe ich einen Schluck bevor ich morgens aus dem Haus gehe, oder ich muss auf dem Weg zur Schule Kaffeebeschaffungsmaßnahmen erfgreifen. Sobald ich dann den ersten Schluck auf der Zunge spüre, werde ich wach. Ab mittags überkommt mich dann das Bedürfnis nach Schokolade. Während der Schulzeit gab es immer die berüchtigte KitKat-Pause um 10 Uhr. Wenn dieses Ritual ausfiel, war immer ein Leistungstief zu erwarten.

Wir haben alle unsere kleinen unschädlichen oder auch schädlichen Süchte. Eine ungenannte Person sagt, dass er täglich chatten muss, andere ungenannte hat den Zwang nach dem Aufstehen als erstes die elektronische Post checken zu müssen. Wieder andere ungenannte Person braucht das Rauchen und weitere ungenannte Person muss mindestens jeden zweiten Tag joggen. Alkohol, aber nicht unbedingt täglich, meint weitere ungenannte Person. Das wunderschöne Mädchen braucht morgens als erstes Musik. Jeder hat irgendwas. Nur eine der von mir gerade befragten Personen nicht, dieser Mensch behauptet dreist von nichts abhängig zu sein. Bin mir sicher, dass du lügst, Schätzelein!

Sachen, an die man sich irgendwann mal gewöhnt hat, weil man sie mag. Es sind Dinge, helfen den Wahnsinn des Alltags weniger wahnsinnig aussehen zu lassen. Irgendwie herrlich.

Gebeichtet

Musiktipp: Counting Crows – Big Yellow Taxi

„Nein, das machst du nicht. Das machst du nicht. Nein. Das machst du nicht. […] Dir ist klar, dass das schädlich ist? […] Nein, das machst du nicht. Nein, das machst du… Gitte? Was sagst du dazu? […] Nein, das machst du nicht. Das machst du nicht. Nein. […] Das machst du nicht wirklich?

Ich lasse mich also tattoowieren. Am Mittwoch ist Termin, bis dahin wird mein Erzeuger diese Schicksalsfügung vielleicht auch akzeptiert haben. Damit kann ich einen Punkt von meiner Liste streichen. Fotos und Bericht wird es natürlich dann auch geben und – hey, immerhin lass ich mir nicht das Gesicht zutackern ;>.

Schwäche

Musiktipp: Adema – Betray

Es gibt Situationen, in denen sind wir schwach. Unkonzentriert oder abgelenkt, gerade im Postdormitium, sind aufgrund medikamentöser Einflüsse nicht zurechnungsfähig, werden von einem Sadisten malträtiert – die Liste der Beispiele ist unendlich. Wenn man in solchen Momenten etwas gefragt wird, gibt man eine nicht weiter durchdachte Antwort. Ich meinem Fall war das ein „Ja, ok“.

Durch diese einfachen Wörter habe ich mich verpflichtet zu einem Date zu gehen, zu dem ich aber eigentlich gar nicht hinwill. Ich möchte schlafen und danach vielleicht ein bißchen in Selbstmitleid versinken und eine Tafel Schokolade vernichten. Meine Sonntagabendplanung zunichte gemacht, nur weil ich einen schwachen Moment hatte.

Ungenannte Person schlug vor jetzt zu behaupten, dass ich Pilze hätte. Im Nebensatz räumte er dann ein, dass diese Option eher suboptimal wäre, da sie imageschädigend ist. Ob es wirklich was gebracht hätte, wage ich auch zu bezweifeln. Kreativeres fällt mir allerdings auch nicht ein.

Wenn man einen Fehler macht, muss man dafür bezahlen. In meinem Fall mit einem Date. Mit einem süßen Typ, der verdammt toll lächeln kann. Diese Welt ist so ungerecht!

Kinderkram

Musiktipp: Smile Empty Soul – Self Inflicted

Gerade bin ich wie ein kleines Kind weinend aus der Küche hierhoch in mein Zimmer gelaufen, in meiner Hand eine Tasse Tee, die ich eiskalt verschüttet habe, die Tür wurde zugeknallt und abgeschlossen. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagt meine Erzeugerin.

Das macht mich so traurig, wütend, fassungslos. Eine Mutter hat doch eine Vorbildfunktion, muss Gerechtigkeit unter Geschwistern schaffen, für Kinder da sein, sie beschützen. Zu erwachsenen, selbstständigen Menschen erziehen. Bei mir hat das nicht funktioniert. In mir ist ein kleines Mädchen, das immer noch nicht versteht, was um sie herumgeschieht. Verzweifelt nach jemandem sucht, mit dem sie sprechen kann.

Schon bevor ich in den Kindergarten ging, warst du mit mir bei Psychiatern. Du wusstest, dass etwas nicht stimmt. Du hast dir nichts vorzuzwerfen?

Es ist nicht dein Fehler? Du hast mich zu einem 10 Jahre älteren Mann gelassen. Du hast zugelassen, dass er mich vergewaltigt. Und ich dachte, alles wäre okay. Ich hab wirklich geglaubt, das alles richtig ist, wie es ist. Aber man lässt doch eine 14 Jährige nicht alleine so weit weg fahren. Mit 18 erfahr ich dann, was da passiert ist. Ich will das einfach nur vergessen, hätte lieber mit der Lüge gelebt.

Du hast zugelassen, dass ich in der Schule bis aufs Blut gequält wurde. Das meine Kindheit, meine Jugend ein einziger Sterbewunsch war. Tatenlos zugesehen, obwohl du von Lehrern informiert wurdest, dass etwas nicht in Ordnung war. Nichts unternommen, als ich Bulimie hatte und die Augen zugemacht, wenn ich mich selbst verletzt habe.

Du hast zugelassen, dass ich mich immer weiter zurückgezogen habe. Sozial vollständig isoliert. Schule geschwänzt. Wie oft muss man krank sein, bis du realierst, dass ich am Ende war? Wie kalt und relitätsfern musst du sein, dass du dir ein ruhiges Gewissen reden kannst?

Ich war das Kind, du die Erwachsene. Du hättest etwas tun sollen, nicht ich. Mir fehlen die Worte, was soll das. Das kann doch nicht sein. Das ist so nicht richtig.

Schizoview

Musiktipp: 4Lyn – Take It As A Compliment

Interview mit der hochintelligenten und extrem schönen Jule, deren Nachname hier aus Gründen der Anonymität, die vom Internet zielsicher und mit dem Tempo eines Cayenne, der auf einer geraden, von der Polizei nicht überwachten, Landstraße rast, verschlungen wird. Wir sprachen über Freunde, Monotonität des Alltags und die Zukunft.

Olsdahl: Sparen wir uns die Höflichkeiten und kommen gleich zur Sache!
Jule: Alles klar, so hab ich’s eh am liebsten.
Olsdahl: Man findet auf deinem Blog ein paar seltsame Wörter. Was ist eine neoliberale Luftgitarre?
Jule: Hat was mit Monetaristen zu tun unso, weisste. Wird’s politisch.
Olsdahl: Aha.. Benutzt du diese Wörter auch wirklich?
Jule: Aber sicher doch. Noch nicht mitbekommen? Oh, guck ma da fliegt ne rot-kapitalistische Fliege vorbei!
Olsdahl: Anderes Thema. Wieso redest du immer so schnell?
Jule: Weil ich Angst habe, etwas zu vergessen oder von den langweiligen Aussagen anderer unterbrochen zu werden.
Olsdahl: Zu einem Gespräch gehören doch immer zwei…
Jule: Die besten Gespräche habe ich mit mir selbst. Und gute Gespräche setzen einen intelligenten Kommunikationspartner voraus. [grinst]
Olsdahl: Trotzdem kann man doch Menschen etwas zum Thema sagen lassen..
Jule: Ah ne, ich weiß es eh besser.
Olsdahl: Findest du nicht, dass du sehr überheblich und arrogant bist?
Jule: Ich kann es mir leisten.
Olsdahl: Hast du Freunde?
Jule: Das war jetzt aber ein Gedankensprung.
Olsdahl: Oh, ja natürlich.
Jule: Freunde brauch man nicht, die wollen ständig was von einem und wenn man den Geburtstag vergisst sind se sauer auf einen. Außerdem wollen die sich auch ständig mit einem verabreden.
Olsdahl: Das ist doch schön..
Jule: Das ist nicht schön, das ist sozial.
Olsdahl: Soziale Kontakte sind sehr wichtig. Man kann mit anderen sprechen, sich austauschen, etwas unternehmen.
Jule: Sagste jetzt nur, weil du das mal irgendwo gelesen hast.
Olsdahl: Nein, das glaube ich wirklich.
Jule: Wie schräg bist denn du drauf.
Olsdahl: Okay, lassen wir das. Noch eine Frage, wann erscheint endlich dein Buch?
Jule: Sobald ich’s geschrieben habe, dann werden sich die Verlage um mich schlagen.
Olsdahl: Sonst irgendwelche Zukunftspläne?
Jule: Auf jeden Fall. Jobsuche, Wohnungssuche, dann zielloses Herumvegetieren in einer kommerzgesteuerten Gesellschaft und automatisisertes Arbeiten und Leben in den gerade genannten. Ah, und irgendwann sterbsch dann auch. Ist ein Plan, ne?
Olsdahl: Klingt jetzt nicht gerade lebensfroh. Freust du dich nicht auf deine neue Unabhängigkeit?
Jule: Darauf, dass ich in dieser kranken Welt ganz unten in der Einkommensskala stehe und mir den Hals verrenken muss, um jemanden mit überlebenssicherndem Einkommen zu sehen?
Olsdahl: Zum Beispiel.
Jule: Naja, doch. Ein bißchen schon. [lächelt]

zu viel, zu viel

Musiktipp: Smile Emty Soul – Loser

Ich habe geschätzte 40 Oberteile, ungefähr 10 Röcke und mindestens genauso viele Hosen, ungefähr doppelt so viele Strumpfhosen und Socken, Unterwäsche ist unzählbar, die Summe meiner Schuhe beläuft sich auf ca. 40 Stück, die hier überall verstreut liegen. Und trotzdem quäle ich mich fast täglich mit der Frage: Was zieh ich an? :< Irgendwas läuft hier falsch.

Neues Lay

Musiktipp: 4Lyn – Kisses Of A Strobelight

Ich weiß noch nicht, ob es bleibt. Deshalb gewöhnt euch nicht zu sehr ans neue Layout. Was man alles tut, um dem Lernen zu entgehen *g*.

Neues 2

Unschwer zu erkennen hat sich einiges auf dem Blog getan. Gestern kam der Link „Psychosache“ hinzu, heute ein Link, den ich Wortschatz genannt habe. Einfach mal durchklicken :>.