Liebeskummer ist doof

Musiktipp: HIM – Join Me

Meine Willenskraft ist gebrochen, ich bin krankgeschrieben und es geht mir so elendig, dass ich daran denke mich einfach vor einen LKW, einen Zug oder etwas mit ähnlicher Kraft zu werfen. Ich hasse mich, ich hasse mein Leben und vermutlich hasse ich auch die Menschen darin.

Zumindest versuche ich mir das einzureden. Zeitweise klappt das ganz gut, immerhin habe ich gedanklich deine Socken aus dem Fenster geworfen und das Handy an der Wand zerscheppern lassen. Realität sieht natürlich wieder anders aus. Die Realität ist noch grausamer. Es tut weh. Es tut verdammt weh. Ich kotze, obwohl ich nichts gegessen habe, ich huste, ich weine. Ich habe das Gefühl, zu sterben. Wirklich ironisch an der Sache ist, dass ich selbst Schuld trage an dieser abartigen Situation. Ich hab schlussgemacht, verdiene also eigentlich kein Mitleid. Es geht nicht mehr…

Und trotzdem denke ich ständig an dich, schreibe deinen Namen auf Blätter, die ursprünglich mal als Hausaufgaben bezeichnet wurden. Ich ziehe die Decke über den Kopf und werfe sie weg. Alles riecht nach dir. Ich bin zu faul, zu müde zu fertig mit den Nerven, mein Bett neuzubeziehen, geschweige denn andere Erinnerungsstücke vor meinen verheulten Augen zu verstecken.

In einem Anflug von totaler Verzweiflung habe ich dann gestern meiner Therapeutin mitgeteilt, dass ich jetzt nicht mehr kommen möchte. Wozu. Es macht doch alles keinen Sinn mehr. Stationäre Behandlung mit vorangegangener Zwangseinweisung wurde mir nur wenige Minuten bevor ich diesen verwirrten Text geschrieben habe, seitens der Erzeugerfraktion angedroht. Könnt ihr mich nicht alle in Ruhe lassen?

Ich mag vor mich hinvegetieren. Am besten sterben. Wenn man nicht mal mit dem Menschen, den man über alles liebt zusammensein kann, weil er ein Asi (Kurzform von alles-ist-deine-Schuld-es-geht-nicht-mehr-und-es-geht-keinen-an-warum) ist. Ich steig selbst nicht mehr durch.

Rauten

Als ich noch klein und naiv war schnappte ich mal irgendwo den Satz „Eines Tages wachst du auf und bist tot.“ auf. Damals fand ich den Satz lustig, weil er für mich keinen Sinn ergab. Vor einiger Zeit habe ich dann einen Sinn hinein bekommen und auch heute morgen hatte ich wieder dieses abartig fantastische Gefühl, nicht mehr zu leben…

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Eine schöne Frau schenkte mir eine Blume :>.

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Ich habe keine Lust zu nix, dieses Leben ist zum Kotzen. Ich mag tot sein (s. o.).

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Warum ist die 4 immer zu spät?

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Ich will mich besinnungslos betrinken.

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Ich entwickle einen unmenschlichen Hass auf ungenannte Person.

Selbstbewusstsein

Musiktipp: Stone Sour – Bother

Selbstbewusstsein ist eine tolle Sache. Es bedeutet, dass man sich selbst mag und akzeptiert hat, wie man ist. Keine Angst zu haben, seine Meinung zu sagen und an sich selbst zu glauben. Selbstbewusstsein hat etwas mit Selbstwertgefühl und vllt. sogar ein kleines bißchen mit Selbstverliebtheit zu tun.

Es hat verdammt lange gedauert bis ich das konnte und auch heute, nachdem ich jahrelang daran gearbeitet habe und eigentlich der Meinung bin, ein gesundes Selbstbewusstsein zu haben, merke ich manchmal, dass es ruhig etwas mehr sein könnte.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht erinnere ich mich heute an die Tage, an denen ich Schule schwänzte, nur um nicht vor der versammelten Klasse zu stehen und ein Referat halten zu müssen. Die Tage, an denen ich lieber eine 6 bekam, anstatt irgendwas zu sagen bzw. mich überhaupt zu melden. Die Tage, an denen ich lieber fror, anstatt jemanden zu bitten die Heizung anzustellen. Die Tage, an denen ich nicht sagte, dass ich jetzt doch etwas trinken will. Ja, belächeln kann ich das heute. Schön war es aber nicht.

Man kann sich antrainieren, selbstbewusst durch den Tag zu gehen. Aus einem grauen, schüchternen Mäuschen kann ein Redner werden. Ich bin das lebende Beispiel dafür. Allerdings hat es sich über Jahre entwickelt, es war nicht so, dass ich eines morgens aufgewacht bin und dachte „Ah, jetzt laber ich euch alle an die Wand!“.

Der Höchstpunkt der absoluten Schüchternheit und des Selbsthasses hatte ich vermutlich so zwischen 14 und 16. Danach wurde es langsam und kaum merkbar besser. In den letzten Monaten ging es dann rasant nach oben, Richtung Selbstbewusstsein.

Viel an mir gearbeitet, ja. Aber auch mit viel Geduld und Hilfe von Außen. Dafür wollte ich an dieser Stelle einfach mal Danke sagen. Allen Menschen, die einen Anteil daran haben, dass ich mich mag, wie ich bin.

Dinge, die man gegen Langeweile tun kann

Musiktipp: Stone Sour – Bother

– die Statusnachrichten der Menschen lesen, die man im ICQ hat
– Nirvana-Songs nach Botschaften aus dem Jenseits rückwärts und vorwärts durchhören, dann nach Erscheinungsdatum aufwärts und abwärts sortieren
– essen
– noch mehr essen
– Blitze zählen
– Raufasertapete anstarren
– lernen
– Nagelöl mit Mangoduft auftragen
– Tastatur saubermachen, dann die im Dreck entstandenen neuen Lebensformen bestaunen
– bei Google belanglos Wörter eingeben und „Bildersuche“ wählen
– Wikipedia lesen, dann mit dem neu erworbenen Wissen andere Menschen langweilen/beeindrucken
– aufräumen
– bei Ebay einen Schokoladenbrunnen aus Stein kaufen
– gucken ob die Menschen im ICQ die Statusnachricht mittlerweile geändert haben
– alte sms lesen
– diesen Beitrag schreiben

to be continiued…

Große Stadt mit großem Mann und kleiner Wohnung

Musiktipp: Placebo – Post Blue

Das Ende meiner Ausbildung ist in Sicht. In den nächsten Monaten werden Abschlussklausuren geschrieben werden, mündliche Prüfungen bestanden und Präsentationen gehalten werden. Dann bin ich fertig. Aufwiedersehen Sprachschule. Gedanken um das, was danach kommt, habe ich mir schon öfter gemacht.

Ich werde nach Hamburg ziehen. Zusammen mit einem Mann! In eine Wohnung! Meine Mama wird 260 Kilometer entfernt sein und mich deshalb nur telefonisch unterstützen können. Als Mamakind ist das für mich natürlich extremst hart. Das wunderschöne Mädchen wird weit weg sein. Noch weiter weg, wenn sie dann ins Amiland geht. Völlig auf mich allein gestellt. In einer großen Stadt. Mit einem Mann. In einer Wohnung.

Mein Auto wird verkauft, Geschirr wird aussortiert, Kalkulationen über die Größe des Schuhschrankes werden gemacht.

Die erste eigene Wohnung ist wahrscheinlich ganz toll. Wenn man mit seinem Freund darin wohnt, ist es vermutlich noch toller. Trotzdem bekomme ich allmählich Angst. Die ersten Bewerbungsfotos werden am Sonntag geschossen werden, die ersten Adressen werden gesucht und dann werden unvermeidbar Bewerbungen abgeschickt. Nach Hamburg. Angst, dass ich keinen Job finde, habe ich erschreckenderweise nicht.

Vorstellungen von weißer Wäsche, die auf einmal rosa ist, Steaks, die verbrannt sind und vergessene Rechnungen, die irgendwo zwischen dem Hamburger Abendblatt und dem Spiegel verloren gegangen sind, werden eiskalt abgeschüttelt.

Ich kann das. Jul allein! In einer großen Stadt. In einer Wohnung. Lichtjahre entfernt von der Mama! – Naja, nicht ganz allein. Ein toller Mensch ist ja da. Wenn es ganz übel wird können wir uns wenigstens zusammen unterm Bett verstecken und warten bis die Apocalypse vorbei ist.

Ich will so einen Toaster, der Muster ins Brot brennen kann. Ungenannte Person, auch Freund genannt, kaufen wir den? :>

Wir sind alle Kinder

Heute ein älterer Text von mir, den ich gerade wiedergefunden habe und der mich dann doch zum Denken angeregt hat:

Wenn man klein und unschuldig ist, neigt man dazu seinen Erzeugern einen gottähnlichen Status anzudichten. Was die Eltern sagen entspricht der Wahrheit. Die Eltern wissen alles und können alles. Das ist nicht nur aus meiner Erfahrung so, dass ist auch psychologisch gesehen ein Fakt.

Wenn man dann älter wird, also die Phase von jugendlicher Rebellion erreicht, ist die Erzeugerfraktion dann plötzlich zum Feind mutiert. Sie verbietem einem alles, was Spaß macht, sind sowieso total uncool und haben veraltete Ansichten („als ich so alt war…“.)

Und irgendwann, wenn man aus dieser Phase heraus ist, aber irgendwie doch noch nicht so ganz erwachsen, wird einem bewusst, dass die Eltern Menschen sind, die Fehler machen und nicht alles wissen. Man zweifelt die Entscheidungen der früheren Götter an und diskutiert mit ihnen. Der eine oder andere Moment des Gesprächs, des Streits, der Diskussion zeigt dann auch ganz deutlich: Deine Mutter rennt weg, knallt die Tür zu, dein Vater will deine Meinung gar nicht erst hören, deine Tante mag schmutzige Witze. Du bist genauso. Ihr seid alle erwachsen, aber irgendwie auch Kind.

Eigener Stil

Musiktipp: Placebo – Song To Say Goodbye

Ungenannte Person, auch Freund genannt, findet, dass ich ein bißchen aussehe wie ein Emo. Liegt wohl vor allem an meinem bevorstehenden Piercing, dass sich gnadenlos um meine Unterlippe schlingen wird.

Ich laufe schon immer so rum. Phasenweise, abhängig von meiner Laune. Ich ziehe an, was mir Spaß macht. Jetzt hat mein Stil, von dem ich bis vor geraumer Zeit nichtmal wusste, dass ich ihn besitze, einen Namen: Emo. Ich will nicht Emo sein.

Bei diesem Begriff denke ich an Kommerz, an kleine 14 bis 15jährige orientierungslose Haareiftragende Mädchen, die My Chemical Romance oder Tokio Hotel (okay, die machen kein Emo, aber trotzdem) hören und sich die Arme aufritzen, um damit in der Schule angeben zu können. Ihr seid so cool, Kinder!

Ich distanziere mich hiermit vollkommen von dieser Personengruppe und möchte nicht mit denen in Verbindung gebracht werden. Abscheulicher Gedanke. Um diese Distanzierung zu unterstreichen, erzähle ich hier und da gemeine bis geschmacklose Emo-Witze.

Ungenannte Person fragte, wie ich das (also wie ich herumlaufe), denn genannt werden soll. Meine Antwort: Jul!

Les dich schlau.

Astrid Lindgren

„Ich weiß noch, wie schrecklich es war, festzustellen, dass man nicht mehr spielen konnte. Daran kann ich mich ganz deutlich erinnern. Immer, wenn die Enkelin des Pfarrers in den Ferien nach Näs kam, spielten wir mit ihr. Aber als sie eines schönen Tages im Sommer ankam und wir wie immer anfangen wollten zu spielen, stellten wir plötzlich fest, dass wir nicht mehr spielen konnten. Es ging einfach nicht. Wir kamen uns albern vor und waren gleichzeitig auch traurig, denn was sollten wir jetzt tun, nachdem wir nicht mehr spielen konnten? Damals waren wir wohl zwölf oder dreizehn, und damit war die Kindheit zu Ende.“ (Astrid Lindgren)

Eine Geschichte

Musiktipp: Placebo – Blind

Als sie heute Morgen aufstand fiel ihr Blick beim Waschen auf die Handgelenke. Verdammt. Sie hatte es schon wieder getan. Kaum hatte sie den Pullover an, waren die Schnitte wieder vergessen und ihre Gedanken ganz bei der bevorstehenden Klausur.

Der Tag verging relativ schnell. Nach der Schule fuhr sie mit einer Freundin zu Mc Donalds. Als Belohung, weil die beiden die letzten Stunden heute nicht geschwänzt hatten.

Fast schon fröhlich betrat sie das Haus. Ihr Zimmer. Alles sah so aus, wie sie es verlassen hatte: blutige Taschentücher und eine Rasierklinge. Die Vergangenheit war wieder present. Sie schluckte.

Lach mich aus, lach mich aus…